Sheryln Cadapan und Karen Empeño

Der Fall des Verschwindenlassens von Karen Empeño und Sherlyn Cadapan zeigt eindrücklich die Verweigerungshaltung des Militärs, bei der Aufarbeitung von Menschenrechtsverbrechen mitzuwirken. Er führt auch vor Augen, wie schwierig es in den Philippinen ist, selbst höchstrichterliche Urteile durchzusetzen, und wie langsam die Mühlen des Rechtssystems mahlen.

Die beiden Studentinnen Karen Empeño und Sherlyn Cadapan werden in der Nacht des 26. Junis 2006 während einer Feldforschung zur Situation der Bauern in Hagonoy auf der Insel Luzon von bewaffneten Männern entführt. Der Bauer Manuel Merino versucht noch die Täter aufzuhalten, wird dabei jedoch selbst entführt. Die Menschenrechtsgruppe Alyansa ng mga Mamamayan para Pantaong Karaptan–Bulacan (Bündnis für Menschenrechte–Bulacan) reagiert schnell und identifiziert das bei der Entführung genutzte Fahrzeug als Militärfahrzeug des 56. Infanterie Bataillons der philippinischen Armee.

Maßgebliche Hinweise auf das Schicksal der beiden jungen Frauen gibt aber erst die couragierte Aussage Raymond Manalos. Dieser wird 2006 zusammen mit seinem Bruder ebenfalls Opfer einer Entführung und berichtet nach seiner Flucht aus Militärgewahrsam über brutale Foltermethoden ihm und Mitgefangenen gegenüber, unter diesen auch die beiden vermissten Studentinnen.

Der Hauptverdächtige im Fall ist der ehemalige General Jovito Palparan, der auch für viele andere Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gemacht wird. Ebenso beteiligt sein sollen unter anderem Sergeant Edgario Osario, Oberstleutnant Felipe Anotado und Sergeant Rizal Hilario. Der Grund für die Entführung der jungen Frauen konnte nie eindeutig geklärt werden. Sicher ist jedoch, dass den Studentinnen von Seiten des Militärs vorgeworfen wurde, mit „linken Aktivitäten“ in Verbindung zu stehen.

Es dauert mehr als zwei Jahre, bis der Court of Appeals im September 2008 eine Schutzanweisung im Rahmen eines Writ of Amparo erlässt und die sofortige Freilassung von Empeño und Cadapan anordnet, ohne aber die Namen der Täter zu nennen, obwohl diese durch mehrere Zeugen identifiziert werden. Als die beiden nach über einem Monat noch nicht entlassen worden waren, beantragen ihre Mütter, Militärcamps besuchen zu dürfen. Außerdem fordern sie vom Obersten Gerichtshof, dass sowohl hochrangige Militärvertreter als auch die damalige Präsidentin Gloria Magapagal-Arroyo zur Verantwortung gezogen werden. Als der Court of Appeals sich daraufhin weigert, sein eigenes Urteil der Freilassung zu vollstrecken, ziehen die Angehörigen weiter vor den Obersten Gerichtshof. Dieser braucht wiederum fast zwei Jahre, um die ursprüngliche Anordnung auf Freilassung zu bestätigen.

Als im Dezember 2011, über fünf Jahre nach der Entführung, endlich Haftbefehl gegen Palparan und die anderen Verdächtigen erlassen wird, tauchen diese unter. Bis auf Osario und Anotado, die sich inzwischen vor Gericht verantworten müssen, befinden sich alle Verdächtigen auf der Flucht.

Mitte August 2014, nach fast dreijähriger Flucht, wurde General Jovito Palparan von der Bundespolizei in Manila verhaftet.

Tatsache ist, dass das Verfahren nie zustande gekommen wäre, hätten die Familien der Opfer nicht so hart dafür gekämpft. Denn der Staat, bei dem die Verantwortung für die Strafverfolgung von Menschenrechtsverletzungen eigentlich liegt, ist nicht aktiv geworden.

 

AMP Pressemitteilung zur Verhaftung von Jovito Palparan